Bis eine/r weint
von Katrin Ullmann
Hamburg, 16. August 2020. "Ich bin in Schwierigkeiten": Für einen kurzen Moment öffnet die Schauspielerin Myrtle Gordon eine Tür in ihr Inneres, in ihre zerrüttete, einsame Persönlichkeit. Halb nackt kauert sie da vor der Tür. Hat ihr Kleid bis zu den Knöcheln heruntergezogen, hat sich aus ihm herausgeschält wie aus einer zweiten Haut. Voller Selbstzweifel, voller Selbstekel. "Ich dachte, das Stück gefällt Dir", wundert sich Manny knapp. Er ist Regisseur – und geht über all ihr Unglück hinweg, die Proben müssen schließlich weitergehen, die "Opening Night", die Premiere des Stücks "Die zweite Frau", steht kurz bevor und die Nerven liegen entsprechend blank. Doch Myrtle Gordon, die Protagonistin, stürzt in eine Identitätskrise. Die Rolle, die sie spielen soll, eine hilflose Frau "ohne Freude, ohne Humor, ohne Intelligenz" und vor allem eine Frau, deren Zeit vorbei ist, geht ihr zu nah.