Das arme Tier zeigt seine Zähne
von Nikolaus Merck
Kassel, 10. Mai 2019. Der Krieg ist schwarz und weiß und überall. Er kriecht über die Bühne von Daniel Roskamp, in die Kostüme der Soldaten, auf den Planwagen der Marketenderin (für die Heutigen: bei der Markentenderei handelt es sich um einen ambulanten Supermarkt hinter der Front), bis auf die verblichene Haut seiner Opfer. Schwarz und weiß. Ein Gegensatz, so wie die traditionellen Lesarten für die "Mutter Courage" von Bertolt Brecht: "Hyäne des Krieges", die am Schlachten und Morden verdient, die ihre Kinder opfert, nur um einen kleinen Gewinn einzubringen. Oder: das Muttertier, das versucht im menschenverschlingenden Krieg zu überleben, und dabei, weil die Verhältnisse eben einmal so sind, ihre Kinder verliert, die kriegstauglichen Söhne Schweizerkas und Eiliff, sowie die Tochter Katrin, die stumm ist, und nicht besonders hübsch.