Schaubühne Berlin | nachtkritik.de

Was muss

von Dirk Pilz

Berlin, 5. Mai 2016. Nebel zu Beginn. Dunkelheit, dann Dröhnen. Matte, trübe Lichtschimmer kämpfen sich durch die Düsternis. Ein halber Gaul hängt an den Vorderläufen vom Himmel. Blut'ge, entblößte Menschen drängen sich um ihn, beißen hier hinein, hängen dort sich an seinen Kopf. Eine Schar Geschlagene, Verzweifelte, Ausgeglühte. Sie wühlen im toten Tierleib nach Leben und finden nichts als Verderben. Und neben ihnen, in einem schlichten Holzlehnstuhl: Wallenstein, der Herzog zu Friedland, kaiserlicher Generalissimus im Dreißigjährigen Kriege. Sitzt, stiert, schweigt. Die linke Hand baumelt über der Armlehne, an der Uniformjacke Orden (ja, richtige Orden!), der Kopf gesenkt wie Stiere es tun, kurz bevor sie ihren Feind bestürmen. Zwei Stunden wird er so hocken, und wenn er sich erhebt, wird sein Weg sofort an die Rampe führen. Die Beine breit, die Hände in den Taschen, der Blick stramm. Diesem Wallenstein kann keine Hilfe werden, keine Zukunft; er ist zur Unveränderlichkeit verdammt.


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