8./12. Dezember 2022. Wie das Leipziger Stadtmagazin Kreuzer berichtet, ist am Schauspiel Leipzig ein Hausverbot gegen die Ensemble-Schauspielerinnen Julia Preuß und Katharina Schmidt ausgesprochen worden. "Die Bühne, ihren Arbeitsplatz, dürfen sie nicht mehr betreten, ihre Rollen nicht mehr spielen", so Tobias Prüwer im Kreuzer-Artikel. Hintergrund des Hausverbots ist dem Text zufolge die vertragliche Nichtverlängerung der beiden Schauspielerinnen, deretwegen es zu "Solidaritätsgesten" von Mitarbeiter:innen aus den Gewerken gekommen sei. Hierauf hätten Preuß und Schmidt mit einem Dankesschreiben reagiert, aus dem der Kreuzer zitiert:
"Die überraschenden und nicht nachvollziehbaren 'Nichtverlängerungen' sind zu einem Auslöser geworden, eine tiefe Unzufriedenheit mit der Hauspolitik zum Ausdruck zu bringen. Eure Schreiben haben wir mit Bewunderung und Respekt zur Kenntnis genommen und möchten Euch hiermit versichern, dass auch wir (das Ensemble) Euch zur Seite stehen. Wir sind das Schauspiel Leipzig!"
Daraufhin habe die Theaterleitung bereits vor zwei Wochen ein Hausverbot wegen "Mobilisierung der Belegschaft und der Störung des Betriebsfriedens" gegen die beiden Schauspielerinnen ausgesprochen.
Zum konkreten Vorfall habe sich Intendant Enrico Lübbe gegenüber dem Kreuzer nicht äußern wollen, erklärte aber: "Nichtverlängerungen sind für die Betroffenen niemals einfach. Am Schauspiel Leipzig haben wir schon vor Corona vergleichsweise selten von Nichtverlängerungen Gebrauch gemacht, zu Corona-Zeiten gar nicht. Dass ein solcher Schritt nun Verunsicherung auslöst, ist verständlich." Eine "allgemeine Unzufriedenheit der Belegschaft" gebe es am Schauspiel Leipzig jedoch nicht. Dennoch hätten Gespräch in jüngerer Vergangenheit gezeigt, "wo man nachjustieren müsste". Man nehme "die Anliegen ernst" und sei "hierzu mit den Mitarbeitenden im Austausch".
Die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) habe sich eingeschaltet und wolle vermitteln, so der Kreuzer.
(Kreuzer-Online / jeb)
Update vom 9. Dezember 2022: Wie die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) in einer Presseaussendung mitteilt, hat sie zu den Hausverboten am Schauspiel Leipzig Gespräche geführt: mit Intendant Enrico Lübbe, dem Verwaltungsdirektor Daniel Herrmann und der Leipziger Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, mit den beiden Schauspielerinnen Julia Preuß und Katharina Schmidt sowie Mitgliedern der Belegschaft geführt.
In ihrem Schreiben bezeichnet die GDBA den "Grund für das Hausverbot am Schauspiel Leipzig nicht nachvollziehbar und eine Demonstration inakzeptabler Härte". Gefordert wird, alle NV Bühne-Beschäftigten am Schauspiel Leipzig bis zum Ende der Intendanz von Enrico Lübbe unter Nichtverlängerungsschutz zu stellen, "um ein neues Vertrauensverhältnis aufzubauen".
(GDBA / eph)
Update vom 9. Dezember 2022, 15:40 Uhr: Intendant Enrico Lübbe sieht von einer Stellungnahme gegenüber nachtkritik.de mit Verweis auf personalrechtliche Fragen und die Vertraulichkeit von betriebsinternen Gesprächen ab. (eph)
Update vom 9. Dezember 2022, 18:20 Uhr: Über die Hausverbote beziehungsweise ihre Rücknahme sei noch nicht endgültig entschieden, erfuhr nachtkritik.de von einer theaternahen Quelle. (eph)
Update vom 12. Dezember 2022, 16:55 Uhr: In einem per E-Mail an nachtkritik gesendeten Solidaritätsschreiben erklären "große Teile des Ensembles des Schauspiel Leipzig", "dass wir hinter unseren Kolleginnen Katharina Schmidt und Julia Preuß stehen und dass wir zu keinem Zeitpunkt von ihnen zu Solidaritätsbekundungen mobilisiert wurden. Unserer Auffassung nach wurde das Betriebsklima durch die Freistellungen und die verhängten
Hausverbote schwer beschädigt. Wir fordern daher ausdrücklich die Aufhebung der Hausverbote. Damit einhergehend fordern wir, dass beide Kolleginnen alle ihre erarbeiteten Rollen wieder spielen dürfen. Wir wünschen außerdem die Rücknahme der Nichtverlängerungen." (sd)
Update vom 20. Dezember 2022, 13:30 Uhr: Claudia Bauer hört als Hausregisseurin am Schauspiel Leipzig auf. (Zur Meldung.) Gegenüber dem MDR begründet sie diesen Schritt mit den ausgesprochenen Hausverboten. "Als Hausregisseurin fühle ich mich verantwortlich, vor allem für die Schauspieler*innen, die ich ja zum Teil mit ans Haus geholt habe. Und ich kann vor diesen Menschen dieses Hausverbot nicht rechtfertigen. Und wenn ich das nicht kann, dann kann ich an diesem Haus keine Hausregisseurin sein." (miwo)
Update vom 20. Dezember 2022, 16:20 Uhr: Das ensemble-netzwerk ruft "alle Mitglieder und Kolleg*innen auf, sich solidarisch mit den betroffenen Schauspielenden und den Ensembles in Leipzig und Naumburg zu zeigen und besonders die Rechtsträger*innen an ihre Aufsichtspflicht und Verantwortung zu erinnern – per Brief, Mail oder in den Sozialen Medien". Mehr auf der Website des Netzwerks.
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