Bernhards Witwe
Wien, 8. Februar 2011. Der Regisseur und ehemalige Burgtheater-Direktor Claus Peymann träumt noch immer vom 1989 verstorbenen österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard, dessen Geburtstag sich morgen zum 80. Mal jährt.
Im österreichischen Kurier sagte er: "Ich träume ständig von Thomas Bernhard, sicher einmal im Monat. Ich glaube, das nennt man Phantomschmerz. Oder Träume einer Witwe. Es ist immer derselbe Traum. Wir treffen uns zu meiner Überraschung in irgendeinem Beisl wieder, in Oberösterreich oder in Wien. Dort sitzt Bernhard im Kreise einiger Menschen, ich bin völlig verblüfft und sage: 'Achso'. Er fleht: 'Bitte, nicht meinen Namen sagen!' und legt den Zeigefinger auf die Lippen. Dann bin ich unbändig froh und frage: 'Sehen wir uns denn Morgen?' Und er sagt: 'Ja, rufen Sie mich nur an!'. Dann wache ich immer auf."
Peymann, der in Wien gerade Bernhards Einfach Kompliziert mit Gerd Voss probt, ist nach wie vor der Ansicht, dass Bernhard "unter Mithilfe seines Bruders die Erlösung gefunden hat": "Ich glaube bis heute, dass Bernhard um seinen nahen Tod gewusst hat. Am Ende war sein ganzer Körper bis an die Lungen und ans Herz voll von Wasser. Das Wasser war nicht mehr wegzubringen. Dann kam diese Nacht, in der die beiden Brüder, der Arzt Dr. Fabjan und der Dichter Thomas Bernhard, zu einer Entscheidung gekommen sind. Das war dann der Abschied, der Tod." Soviel er wisse, "ist der Bruder irgendwann in sein eigenes Appartement gegangen und hat dann den Bruder verständnisvoll alleingelassen. Bernhard wollte immer ein Stück über Niki Lauda schreiben, über einen Mann, der sein Leben lang immer im Kreis gefahren ist und plötzlich keine Lust mehr dazu hat. Aber das Todesvogerl, wie er es immer genannt hat, saß schon auf seiner Schulter und flüsterte ihm ins Ohr."
(Kurier / geka)
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